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Die Leiter erklimmen

Kürzlich habe ich einen ganzen Schwung alter Manuskripte entsorgt. Immer wenn ein Roman fertiggestellt ist, drucke ich mir den kompletten Text aus, um ihn ganz altmodisch auf Papier ein letztes Mal zu überarbeiten. So sammelt sich im Lauf der Zeit natürlich einiges an Ordnern an; jetzt hatte ich für einen Großteil davon einfach keinen Platz mehr. Gut 1500 doppelseitig bedruckte Seiten sind erst in den Schredder und dann ins Altpapier gewandert.
Ein in krakeligem Rot korrigiertes Originaltyposkript von 1998, mehrere damals im Copyshop gebundene Exemplare meines Erstlings, der letzte Ausdruck meines Jugendromans von 2004 sowie natürlich die Fahnen von STREUNER habe ich noch behalten. Man will ja nicht mit leeren Händen dastehen, falls irgendwann später mal das Literaturarchiv Marbach anklopft wegen des Nachlasses oder so. ;-)

Ebenfalls vor dem hungrigen Maul des Reißwolfs gerettet hab ich die teilweise über zehn Jahre alte Korrespondenz. “Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen ...” Ach ja, das weckt Erinnerungen! Früher hingen einem Sätze wie dieser zum Hals raus, heute hängt man irgendwie selbst an ihnen. Vielleicht, weil bereits eine einzige richtige Verlagspublikation mit noch so vielen vorherigen Ablehnungen versöhnt; vielleicht aber auch, weil sich Negatives im Rückblick generell ein bißchen relativiert, wie Gras, das mit der Zeit über die wunde Erde eines (Fantasy-)Schlachtfelds wächst.

Nach jahrelanger Verlagssuche ist es durchaus ein ungewohntes Gefühl – zu wissen, daß das eigene Buch, an dem man so lange gefeilt hat, in den Läden liegt, von völlig fremden Menschen angeschaut, gekauft und gelesen wird. Und es ist eine großartige Bestätigung der bisherigen mühevollen Arbeit, wenn man per E-Mail, durch Online-Rezensionen oder auf sonstigem Wege Rückmeldungen erhält, die darauf schließen lassen, daß Leser vom eigenen Werk angetan oder sogar begeistert sind. (An dieser Stelle deshalb ein dickes Dankeschön an alle, die sich bisher die Mühe gemacht haben, Feedback zu geben! :-))

Als ich anfing, “professionell” zu schreiben, habe ich mich quasi entschlossen, eine Leiter zu erklimmen. Zunächst bin ich kaum vorangekommen; jetzt dagegen habe ich, glaube ich, endlich eine weitere Sprosse geschafft. Allerdings bin ich wohl noch ziemlich weit unten auf dieser Leiter. Es liegt nahe, die nächste Sprosse zu nehmen, auch oder gerade wenn sie ein gutes Stück höher anmutet als die letzte. Nach dem Buch ist bekanntlich vor dem Buch. Doch es gibt nur einen Weg, und der führt nach oben.

Ich klettere dann also mal weiter ...

Ich werde veröffentlicht!

Das lange Schweigen bitte ich mir nachzusehen, die etwas großspurige Überschrift ebenfalls. Was den ersten Punkt anbelangt – die lange Funkstille – so ist selbige damit zu erklären, daß es schlicht nichts Erwähnenswertes zu berichten gab in den letzten Wochen und Monaten. Der Traum, veröffentlicht zu werden, schien mir endgültig ausgeträumt.

Und er ist es tatsächlich, denn jetzt wird er endlich wahr! Ich werde veröffentlicht. Vergangene Woche erreichte mich die Nachricht, daß einer meiner älteren Einträge aus diesem Blog in einem Schulbuch abgedruckt werden soll. Zuerst glaubte ich an einen Scherz, jetzt dagegen freue ich mich sehr, demnächst als Autor in einem Lehrmittel des (von mir zu Schulzeiten übrigens eher wenig geliebten) Faches Deutsch vertreten zu sein. Und das, obschon der betreffende Text m. E. nicht zum Besten zählt, was mein Blog zu bieten hat. Aber sei’s drum.

Doch auch was eine Publikation der Streuner angeht – in welcher Hinsicht die meisten von Euch wohl auf Nachrichten gespannt sein dürften – gibt es vielversprechende Entwicklungen. Soeben habe ich beispielsweise die Bahnfahrt für eine Art Geschäftsreise in der zweiten Junihälfte gebucht, die im wahrsten Sinne des Wortes gewisse Weichen stellen und hoffentlich einige Signale auf Grün schalten wird. Mehr kann ich leider noch nicht sagen; aber im Vergleich zu den spärlichen Nachrichten der letzten Zeit ist das doch schon ziemlich viel, oder?

Über Absagen, ihre Gründe und die Folgen

Als Autor braucht man einen (richtigen) Verlag.

Nur: Ein (richtiger) Verlag, der 101 Autoren im Programm hat, hat es in der Regel nicht nötig, einen 102. Autor aufzubauen, zumal wenn dieser 102. noch keinen Namen hat. (Mit “richtiger Verlag” meine ich einen Verlag, der das tut, was sein Name impliziert: etwas vorlegen, Geld nämlich für Druck und Herstellung des Buches.)

Das heißt, ich kann als Autor nicht ohne Verlag auskommen, die Verlage dagegen kommen glänzend ohne mich aus.

Das ist die Ausgangslage, die, wie die meisten Kollegen wissen werden, in den berühmt-berüchtigten “Standardabsagen” stets aufs Neue in kühler Verbindlichkeit dokumentiert wird: “... paßt nicht in unser Programm ... sehen wir leider keine Möglichkeit, Ihren Roman im XYZ-Verlag zu veröffentlichen ... wünschen wir Ihnen bei der weiteren Verlagssuche viel Erfolg.”

Man kann erstaunlich viel Zeit darauf verwenden zu spekulieren, was wohl die wahren Gründe für eine solche Absage gewesen sein mögen – die freilich in den seltensten Fällen genannt werden, um zeitraubende Diskussionen mit gekränkten Autoren zu vermeiden. Wenn das Manuskript effektiv ins Programm gepaßt hätte und wenn der Text gut war – zwei Aspekte, die Anfänger wie Profis in den seltensten Fällen verneinen; die Anfänger nicht, weil sie’s nicht besser wissen, und die Profis nicht, eben weil sie’s ganz genau wissen –, dann ist letztlich in den meisten Fällen davon auszugehen, daß es eben einen oder mehr Texte auf dem Tisch des Verlagslektors gab, die besser oder erfolgversprechender waren, nahtloser in einen bestimmten Programmplatz paßten, von bereits bekannten, auf dem Markt etablierten Autoren stammten, dieselbe Idee dramaturgisch geschickter, packender, lustiger oder auf andere Weise überzeugender umsetzten und so weiter.

Auch wenn ich manche hiermit ein wenig desillusionere: Nicht weniger Zeit kann man darauf verwenden zu spekulieren, was wohl die wahren Gründe für eine Absage gewesen sein mögen, wenn dieser Absage eine anderthalbseitige Begründung beiliegt. Was hilft es mir, wenn ich erfahre, mein Manuskript sei zu originell, zu speziell für das Verlagsprogramm, wenn ich nachweislich eine 08/15-Geschichte à la Junge überlebt als einziger Überfall auf sein Dorf und nimmt Rache an den dafür verantwortlichen Schergen des bösen Königs erzähle? Was, wenn mein Stil als zu komplex für das Genre und schwer eingängig bezeichnet wird, wo ich doch einen Hauptsatz mit maximal sieben Wörtern an den anderen reihe? Was, wenn bemängelt wird, es könnten mehr Hauptfiguren und Handlungsstränge sein, wo es von beidem jeweils ein Dutzend gibt und diese selbst von meinen geübtesten Testlesern schon durcheinandergebracht wurden? (Anmerkung: All diese Beispiele sind frei erfunden und beruhen nicht auf eigenen Erfahrungen.)

Richtig – im besten Fall komme ich nach stunden- oder gar tagelanger Rätselei auf den Trichter, daß der Lektor in der Begründung indirekt seine eigenen, ganz persönlichen Vorlieben und Erwartungen referiert, die sich offenbar nicht mit meinen eigenen bzw. mit dem Maße, wie ich selbige in meinem Manuskript umgesetzt habe, decken. Das ist völlig legitim; und mir selbst hat es in der Vergangenheit tatsächlich geholfen, meine Arbeit zu verbessern, weil ich darauf vertraut habe, daß das, was der Lektor (oder sonstwer) da so alles an kritischen Anmerkungen vorbringt, durchaus nicht bloß seinem persönlichen Geschmack, sondern auch seiner Markt- und Branchenkenntnis entspringt. Dieses Vertrauen wurde belohnt.

Allerdings habe ich im Laufe der Zeit ein feines Gespür dafür entwickelt, wie weit ich im Zuge einer solchen Verbesserung gehen darf, kann und will. Ich kann nicht jede beliebige Sparte, ich will nicht auf Knopfdruck ein anderes Genre, und ich darf nicht jeden nur vorstellbaren Geschmack bedienen, wenn ich mir nicht den eigenen guten Geschmack verderben will oder das Risiko eingehen, die eigene literarische Identität aufzugeben. Nicht zuletzt muß ich meinen Namen auf dem Buchumschlag sehen können, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen oder das Gefühl, daß da eigentlich der Name meines Lektors stehen müßte.

Für die Könige bin ich den goldenen Mittelweg gegangen: Ich habe Zugeständnisse (an das Genre und seine Zielgruppe) gemacht, ohne mich verbiegen zu müssen. Das Manuskript gefällt meinen Testlesern, meinem Agenten und nicht zuletzt mir selber. Nach wie vor faszinieren mich die Figuren, fesseln mich ihre Biographien, verzaubern mich die Schauplätze ihrer Aktivitäten. Ich spüre, wo sich die Kreativität konzentrieren und manifestieren will.

Und deshalb mache ich weiter: an der Fortsetzung. Twokings muß geschrieben werden. Alles andere wird sich weisen.

Indian Summer

Die Blätter der Bäume leuchten in den Farben eines unerwartet prächtigen “Indian Summer”. Ich kann mich kaum daran satt sehen.

Ich habe mich schwergetan, diesen Eintrag unter “Autorenalltag” abzulegen, nicht wegen der darin dokumentierten Naturbeobachtung – im Gegenteil, für derlei Phänomene kann man als Autor gar nicht offen und aufnahmebereit genug sein –, sondern weil, wenn das alles, dieses ewige Gegen-Wände-rennen, dieses stete Scheitern an den Erwartungen anderer, dieses permanente Abgewiesen-werden, dieses Gefühl, beruflich auch in Zukunft durch oftmals scheinbar so willkürliches Daumen-runter auf den Stand von vor Jahren zurückgeworfen zu werden, wenn all das also Autorenalltag sein soll –, ich mir noch einmal schwer überlegen sollte, ob ich wirklich Autor sein möchte.

Von der ersten Idee bis zum ersten veröffentlichten Buch vergehen im Schnitt 15 Jahre, lautet eine Prognose, die seit jeher unter Kollegen kursiert. Meine erste Idee hatte ich 1996. Eigentlich setzte ich alles daran, mit den Königen unter dem Schnitt zu bleiben. (Wohlgemerkt: Wir reden hier von konventionellen Verlagsveröffentlichungen.) Die Zeichen standen gut dafür, nur scheinbar leider nicht gut genug: Daß (spätestens) 2011 ein Buch von mir erscheint, ist gefühlt so wahrscheinlich wie daß ich morgen im Lotto gewinne.
Nächte Woche ist Buchmesse. Vielleicht geschieht noch ein Wunder. Allerdings hab ich schon 2003 aufgehört, an Wunder zu glauben.

Der Elbenprinz

Wenn die erhoffte gute Nachricht bezüglich seines Buchprojekts beharrlich ausbleibt, muß der Jungautor eben sehen, wie er anderweitig Geld in die Kasse gespült bekommt. Genau das tue ich derzeit unter anderem durch meine Tätigkeit als selbständiger Webdesigner. Nicht nur deshalb geht es mit der Fortsetzung der Könige, der ich den vorläufigen Codenamen Twokings gegeben habe, äußerst schleppend voran.

Daß der Plot nichts taugte, ging mir spät genug auf: Anfang des Monats. Also habe ich mich hingesetzt und einen neuen konzipiert. Nach wie vor stecke ich allerdings in der Zwickmühle: Entweder ich schreibe etwas komplett Neues und ein Verlag signalisiert Interesse an den Königen und ggf. an deren Fortsetzung, oder ich schreibe eine Fortsetzung und kein Verlag will die Könige – egal, wie ich mich entscheide, es besteht immer die Gefahr, daß ich das angefangene Projekt auf Eis legen bzw. (vorerst) ganz knicken muß.

Deshalb soll Twokings in meiner Vorstellung die eierlegende Wollmilchsau werden: Es soll eine direkte Fortsetzung und ein neuer, völlig eigenständiger Roman sein, der möglichst wiederum eigene Fortsetzungen nach sich ziehen könnte und nebenbei mindestens genauso packend und originell wie die Könige sein muß.

Tja ... und unter diesem selbstauferlegten Joch bäumt sich nicht nur der Plot auf wie ein ungebändigtes Roß, nein, auch die bekannten und neu hinzugekommenen Figuren drängen sich um meinen Schreibtisch, wedeln wütend mit den ihnen zugedachten Handlungsskizzen herum und drohen, in den gewerkschaftlich nicht organisierten und damit umso unbefristeteren Streik zu treten.

Das läuft dann ungefähr so ab: Ich sitze (noch) einigermaßen friedlich vor meinen Dokumenten und überlege, wer als nächstes an der Reihe ist. Da steht ein Elb mit langen blonden Haaren, wasserblauen Augen und mahlendem Kiefer. Sieht zu allem entschlossen aus. Von wegen tolkiensche Melancholie, der will mit mir Schlitten fahren! Nehm ich also wohl besser den Typen da hinter ihm zuerst dran. Wer ist das? Der Jähzornige mit dem Speer aus dem ersten Band? Nein, dann doch lieber den Elben. Er stapft sowieso schon auf mich zu, obwohl ich ihn noch gar nicht aufgerufen habe. Faselt was von Hundsfott und daß er mir heimleuchten wolle. Ist bestimmt stocksauer, weil ich letzte Woche erst seinen wohlklingenden Namen ändern mußte. Droht, für immer übers Meer nach Westen zu fahren und dort in Frieden zu ruhn. Das wär dumm, Segelerfahrung hat er nämlich, ich brauche ihn heuer aber doch als Landratte! Vielleicht überlegt er sich’s anders, wenn ich seinen Vater als leuchtendes Vorbild für seßhafte Bodenständigkeit herbeizitiere. Obwohl, der war ja auch so ein Luftikus. Dürfte sich mittlerweile im Elbenparadies zu Tode langweilen. Tja, was machen wir nur mit dir? – Du darfst einen roten Stein suchen. Von dem erhoffst du dir Unmögliches. Bist nämlich ein von Sehnsucht nach Liebe und unaussprechlicher Wahrheit Getriebener. Ein Schmied wird dich in die Irre leiten. Deine Schwester hat noch eine alte Rechnung zu begleichen mit dem einzigen, der dir helfen kann. Sieh zu, daß sie dir nicht deine womöglich letzte Hoffnung zunichte macht. Wie klingt das? ... Was? Du bist nicht zufrieden? Wie bitte? Elbenprinz willst du sein? Vergiß es! Troll dich, da warten noch mehr Leute!

Ja, so läuft das. Wenn es gut läuft. Der hier war noch von der einfachen Sorte! Wenn Ihr wüßtet, wer nach ihm an der Reihe ist ...!

Durchgeplottet

Obwohl das Projekt mit dem Codenamen Könige – was freue ich mich auf den Tag, da ich endlich seinen richtigen Titel werde nennen können! – einen in sich abgeschlossenen Roman darstellt, birgt die Geschichte weit mehr Potential. Ein Zyklus ist angedacht, und derzeit plane ich intensiv den zweiten Teil.

Gestern habe ich nun die Fortsetzung komplett durchgeplottet (was für ein seltsam anzusehendes Wort). Zuvor hatte ich zahlreiche gute Ideen, einen glaubwürdigen Gegenspieler und jede Menge neuer Verwicklungen; doch es fehlte bislang das eine, alles verbindende Element, das den Plot zusammenhält und ihn gewissermaßen rund macht. Diese Lücke ist nun geschlossen, der Plot steht und mit ihm die Basis für das Exposé, welches zu schreiben nur mehr eine reine Routinearbeit sein wird.

Ein Arbeitstitel für den neuen Roman steht noch nicht fest. Wie ich allerdings beim ersten Band gemerkt habe, ist es ratsam, sich bezüglich des Titels frühestens festzulegen, wenn das Manuskript zu einem guten Teil, mindestens aber zur Hälfte fertiggestellt ist. Die Prämisse – wenn man dieses vieldeutige Wort gebrauchen darf – eines Buches kann sich bis dahin erfahrungsgemäß immer noch geringfügig verändern, wodurch sich auch programmatische Aspekte verschieben, die ein Titel natürlich widerspiegeln darf und soll.

Kunst und Kommerz

Durch die einschlägigen Internet-Autorenforen spukt in unterschiedlichen Facetten immer wieder von neuem dasselbe, die Diskussionsteilnehmer stark polarisierende Thema: was einem als Autor der Erfolg wert sei, ob man “marktgerecht” schreiben, sich gar “prostituieren” solle – oder ob man wahre Autorenschaft ausschließlich unter dem Vorsatz des L’art pour l’art erreichen könne, ohne Gedanken an die Erwartungen einer potentiellen (größeren) Leserschaft zu verschwenden oder gar auf einen Bestsellererfolg zu spekulieren. Mit einem Wort, es geht um die leidige Diskrepanz zwischen Kunst und Kommerz.

Was ich persönlich an solchen Diskussionen stets vermisse, ist die Besinnung auf einen gangbaren Mittelweg zwischen diesen zwei extremen, jeweils bereits in ihrem Vokabular mit unterschwelliger bis deutlicher Abwertung behafteten Positionen, von denen mir eine so fern und suspekt ist wie die andere. Für mich als Autor bedeutet Professionalität nicht nur, daß ich hauptberuflich und erwerbsorientiert schreibe, sondern auch und vor allem, daß ich mich sinnvoll einzuordnen vermag auf der Skala, die ich mir zwischen den beiden Polen Kommerz und Kunst denken möchte. Sinnvoll, das meint hier: mit einer Begründung, die auch einer Hinterfragung der gewählten Position im Hinblick auf die implizite Bedeutung des Wortes professionell standhält, sowie daß diese Position eben nicht in den Einzugsbereich eines der äußersten Enden der Skala fällt.

Wollen doch mal sehen, wie gut mir diese eigene Einordnung gelingt.

Zuerst aber eine kleine Vorgeschichte. Fakt ist: Jemand, der Bücher schreibt, will, daß diese Bücher auch gelesen werden. (Lies: Ich will, daß meine Bücher gelesen werden, und zwar von möglichst vielen Leuten.) Fakt ist auch: Jemand, der sich allein an den Schreibtisch setzt, um etwas, das nicht der reinen Information dient, zu Papier zu bringen, folgt einem inneren Drang; er denkt beim Schreiben zunächst an sich. (Lies: Der Schreibprozeß als solcher erfolgt, ob ich das nun beabsichtige oder nicht, in erster Linie für mich selber.) Irgendwann kommt der Punkt, an dem dieser Jemand sich sagt: Was kann ich tun, damit meine Bücher überhaupt die Chance erhalten, von anderen Menschen gelesen werden zu können? (Lies: Es kam der Punkt, an dem ich von mir selbst eine definitive Antwort auf die Frage forderte: Was zum Geier kann ich tun, um endlich einen Verlag zu finden?)

Die Lösung lag auf der Hand: Ich müßte die Werke von Autoren, die genau das erreicht hatten, was ich ebenfalls erreichen wollte, genauer unter die Lupe nehmen und versuchen zu ergründen, was sie anders (und womöglich besser) gemacht hatten als ich bisher. Außerdem müßte ich versuchen herauszufinden, ob und wie die Erkenntnisse dieser Untersuchung mein eigenes Schreiben befruchten könnten, ohne daß ich mich selbst dabei zu “verbiegen” oder meine Maßstäbe von Qualität, Originalität und Unterhaltungswert aufzugeben bräuchte. Kurzum, ich beschloß, mir beizubringen, “marktgerechter” – das heißt, mit einer klareren Vorstellung davon im Kopf, was den Lesern meines Wunsch-Genres gefallen könnte – zu schreiben, als ich es bisher getan hatte.

Das tat ich denn auch; und ich bin froh, daß ich die Zeit für diese Marktanalyse dranrückte. Mein in den vergangenen anderthalb Jahren entstandener Roman mit dem Codenamen Könige ist ein – um es in bestem Marketing-Deutsch auszudrücken – umso schärfer profiliertes Buch, das hoffentlich viele Leser ansprechen und unterhalten wird. Gleichzeitig behaupte ich mit Nachdruck, daß nur ich dieses Buch schreiben konnte und niemand anderes. Es ist gewissermaßen eigen, nämlich meins.

Kommen wir zum Fazit dieses kurzen Resümees.
Ich schreibe: um zu veröffentlichen und von vielen gelesen zu werden.
Ich schreibe: meine ganz ureigenen Bücher.
Kunst oder Kommerz? Ganz einfach: Ich mache (meine!) Kunst, die sich gut verkaufen können, sprich kommerziell erfolgreich sein darf und soll.
Und, liebe Fantasy-Leser, ich mache meine Bücher für Euch, hoffe, daß sie Euch gefallen, und freue mich schon jetzt auf Euer Feedback!

Reiselaune

Als ich im Juni 2006, also vor fast zwei Jahren, nach München fuhr, um mich mit einem Literaturagenten zu treffen, der mich dorthin eingeladen hatte, kam ich mir ein bißchen vor wie der junge Hildegunst von Mythenmetz, der in die zamonische Literaturmetropole Buchhaim geht, um dort sein schriftstellerisches Glück zu suchen.

Ganz so grün hinter den Ohren wie damals – oder wie Jungspund Mythenmetz – bin ich heute nicht mehr, was durchaus teils dieser Unternehmung, vor allem aber meinen Erkenntnissen in den Wochen und Monaten danach zu verdanken ist. Allerdings spüre ich, wie eigentlich immer um diese Jahreszeit, ein gewisses Fernweh. Oder, um es angemessen abgeschwächt auszudrücken: Reiselaune.
Ich würde gern aufbrechen, am liebsten zu Fuß oder mit dem Zug, um andere Städte, Buchhandlungen, Leser und Autoren kennenzulernen. Aus literarischer Neugier sozusagen. Allein freilich, weil man da dem Neuen gegenüber am aufgeschlossensten ist. Noch lieber würde ich mich allerdings für eine Weile in die Natur zurückziehen, ins Grüne, um auf einer Streuobstwiese oder in einer Wanderhütte der Inspiration freien Lauf zu lassen. Es kommt mir vor wie ein Ruf, den nur ich hören kann.

Gestern habe ich noch einmal die letzten 50 Seiten der Könige gelesen. Und geschmunzelt, als ich feststellte, daß sich der Protagonist auf den letzten Seiten ebenfalls in die Ferne gezogen fühlt. Natürlich ist es bei ihm nicht bloß eine Laune, sondern entspricht seiner Natur und hat außerdem einen (im Hinblick auf die geplante Fortsetzung) dramaturgischen Sinn.

Vielleicht, so habe ich mir überlegt, ist meine Reiselaune auch Ausdruck der Sehnsucht nach den Figuren aus den Königen, nach ihren Persönlichkeiten, individuellen Belangen und gemeinsamen Abenteuern? Zu lange war ich zu Hause – mit Umräumen beschäftigt. Höchste Zeit, einigen Ballast hinter mir zu lassen und wieder auf Reisen durch Lesh-Tanár zu gehen.

Jubiläum (in etwa)

Im Mai 1998, also vor ungefähr zehn Jahren (das genaue Datum läßt sich leider nicht mehr rekonstruieren, genau wie die Reihenfolge, in der die Musiker damals in Woodstock auftraten – hat das nicht was Friedvoll-Mythisches?), beendete ich meinen ersten Roman, an dem ich mehr als anderthalb Jahre gearbeitet hatte. Es kommt mir nicht vor, als wär’s erst gestern gewesen, auch wenn ich genau das unheimlich gern an dieser Stelle sagen würde. Doch zehn Jahre sind eine lange Zeit. Und was noch wichtiger ist: Ich habe mich in dieser Zeit enorm weiterentwickelt, als Autor wie als Mensch. Meine Romane sind länger geworden, meine Haare ebenso. Ich habe gelernt, zu meinen Texten Distanz aufzubauen (nicht jedoch zu meinen Haaren), eine Tugend, die mir erlaubt, rascher und zielstrebiger ans Werk zu gehen als der Anfänger, der ich damals war, während der Abfassung des ersten “Romänchens”, wie Freunde meiner Eltern das Löwenbuch wohlgefällig nannten. Und nicht zuletzt habe ich mich entschlossen, mit meinem Schreiben den steinigen Weg in die Professionalität einzuschlagen. Freilich nicht mit besagtem Löwenbuch, was putzigerweise viele denken, die mich länger nicht getroffen haben und mich heute im gewieften Konversationsstil nach meinen Schreiberfolgen fragen.

Manche dieser jovialen Zeitgenossen sagten allerdings damals auch zu mir: Du hast ein Buch geschrieben? Toll! Schick es an Marcel Reich-Ranicki! Dann hast du in zehn Jahren ausgesorgt! – Das hab ich heute vielleicht nur deshalb nicht, weil ich seit jeher ein skeptischer Mensch bin und überspannte Ratschläge wie diesen nie befolgt habe. Oder aber meine eigenen Erwartungen waren noch grotesker, indem ich glaubte, ich würde das mit dem Ausgesorgthaben durch das eine Buch auch allein schaffen, ohne den Literaturpapst. So genau weiß ich das nicht mehr.

Jedenfalls bin ich die meisten meiner jugendlichen Illusionen in bezug auf die eigene Autorenkarriere nur zu rasch losgeworden; eine Befreiung, für die ich nichts als Dankbarkeit empfinde, konnte doch schließlich erst unter dieser Voraussetzung der Blick klar werden für die Realität des Literaturgeschäfts, die zu begreifen und mit der umzugehen wohl für jeden angehenden Schriftsteller eine der größten Herausforderungen darstellt. Für alle, die es nicht wissen: Ich liebe Herausforderungen.

Heute weiß ich zum Glück genau, was ich erreichen will und was ich erreichen kann. Und ich spüre, daß die Entwicklung stetig weiter geht. Obwohl ich meine Haare im Dezember gestutzt habe, sind sie schon wieder ein gutes Stück gewachsen. Das ist das Erstaunliche am Leben: Nichts bleibt, wie es ist, und selbst wenn es so aussieht, walten im Verborgenen chronometrisch nachweisbare Kräfte, die Veränderung bewirken. In diesem Sinne schließe ich für heute mit den Worten: Auf bald – und das heißt, nicht erst in zehn Jahren!

Aus dem Leben gegriffen

Ich arbeite gern mit den Händen, nicht zuletzt zum Ausgleich der intensiven Kopfarbeit, die die Autorentätigkeit mit sich bringt. Das schließt sehr feine Bastelprojekte elektronischer Art, aber auch gröbere Arbeiten, vor allem mit Holz, ein. Im Rahmen meines im letzten Eintrag erwähnten Umbaus habe ich innerhalb der letzten Tage und Wochen sieben Preßspan-Regale aufgebaut – was keine Kunst ist, denn schon mit dem zweiten oder dritten hat man Routine, und außerdem sind die rein bildlichen Anleitungen eines gewissen schwedischen Möbelhauses absolut idiotensicher. Bei einer solchen Tätigkeit kann der Kopf “abschalten”. Wenn er es denn will.

Bei den letzten vier Regalen, die innerhalb einer guten Dreiviertelstunde standen, wollte er nicht, und es entspann sich in meinen Gedanken eine Szene, die ich am Schreibtisch nicht lebensechter und humorvoller hätte konzipieren können. Dazu muß man wissen, daß der Protagonist der Könige von Beruf Zimmermann und Schreiner ist (wer sich für den Unterschied interessiert, möge dazu die Wikipedia konsultieren) – und außerdem, daß ich derzeit die Fortsetzung plane, in welcher besagter Protagonist erneut Hauptfigur sein wird.

Die Szene: Er (nennen wir ihn A, außerdem ist er kein Mensch) gerät mit B, einem menschlichen Zimmermann, in irgendeiner Spelunke aneinander, und anstatt ihn zu verprügeln, fordert A ihn zu einem Wettstreit heraus: Wer innerhalb einer bestimmten Zeit die schönere Hütte baut, was ein Meister der Zunft beurteilen wird, ist der Sieger. Sie treffen sich am nächsten Tag, der Meister und zahlreiche Schaulustige stehen bereit, um den Fortgang des Wettkampfes zu verfolgen, ihren jeweiligen Favoriten anzufeuern und überhaupt die Stimmung gewaltig anzuheizen. Ich will es kurz machen: Die entstehende “Hitze” verursacht eine “Feuersbrunst”, die eine sozusagen purgatorische Wirkung entfaltet. Ob sich A und B am Ende vertragen und wer als Sieger aus dem Inferno hervorgeht, möchte ich noch nicht verraten.

Doch halten wir fest: Aus dem Moment heraus, ohne daß man es plant, entstehen die Szenen, Figuren und Plots von Büchern. Ich glaube, ich habe schon einmal erwähnt, daß mir auf meinen täglichen Waldspaziergängen die besten Ideen kommen. Doch immer öfter ergeben sich beim Abspülen, beim Einkaufen oder eben beim Aufbauen eines Regals inspirative Momente, die unmittelbar Einfluß auf die kreative Arbeit nehmen. Nicht immer läßt sich das Material verwenden; es ist fraglich, ob obige Szene je Eingang in irgendeines meiner Romanprojekte finden wird. Aber man kann an diesem einfachen Beispiel das Potential ermessen, welches das Leben für das Schreiben und für die Literatur überhaupt bereithält, wovon beide zehren – ob man nun Gedichte, Gesellschaftsromane oder Fantasy schreibt.